Rahmenhöhe berechnen, Messung von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Oberrohrs

Rahmenhöhe berechnen: so findest du die richtige Rahmengröße

Die richtige Rahmenhöhe zu berechnen entscheidet darüber, ob ein Fahrrad zur Freude oder zur Qual wird. Ein zu großer oder zu kleiner Rahmen lässt sich auch mit der besten Sattel- und Lenkereinstellung nicht mehr ausgleichen. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du deine Schrittlänge richtig misst, wie du daraus die passende Rahmenhöhe berechnest und worin sich die verschiedenen Fahrradrahmen unterscheiden. So findest du die Rahmengröße, die wirklich zu dir passt.

Die Rahmenhöhe wird durch das Maß des Sitzrohres bestimmt, gemessen von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Oberrohrs (CT) oder von der Mitte des Tretlagers bis zur Mitte des Oberrohrs (CC). Je nach Länge der Arme und des Oberkörpers ist natürlich auch die Länge des Oberrohrs wichtig, gemessen von der Mitte des Sitzrohrs bis zur Mitte des Steuerrohrs. Für normal proportionierte Menschen ist die optimale Sitzrohrhöhe jedoch gleich der Oberrohrlänge. Alles andere führt in das Thema des Bikefittings und ist für diesen Beitrag nicht relevant.

Warum die richtige Rahmenhöhe so wichtig ist

Die Rahmenhöhe ist das Maß, das ein Fahrrad an deinen Körper anpasst. Stimmt sie, sitzt du entspannt, trittst kraftvoll und ermüdest auf langen Strecken deutlich langsamer. Stimmt sie nicht, drohen Knieprobleme, ein schmerzender Rücken und ein unsicheres Fahrgefühl. Sattelhöhe, Sattelposition und Lenker lassen sich zwar in Grenzen verstellen, doch sie korrigieren nur Feinheiten. Das Fundament bleibt der Rahmen. Es verhält sich hier wie mit einem Shuh, oder einem Anzug, wenn alles passt, scheint die Sonne.

Der wichtigste Wert dafür ist nicht deine Körpergröße, sondern deine Schrittlänge. Sie sagt aus, wie lang deine Beine tatsächlich sind, und genau darauf kommt es beim Treten an.

Schrittlänge messen: Schritt für Schritt

Die Schrittlänge ist die Länge deiner Beininnenseite, gemessen vom Schritt bis zum Boden. Du brauchst dafür nur ein Buch, einen Zollstock oder ein Maßband und eine glatte Wand. So geht es:

  1. Stell dich barfuß und mit leicht gespreizten Beinen auf einen ebenen Untergrund, am besten mit dem Rücken zur Wand.
  2. Nimm dir ein Buch oder etwas Ähnliches zur Hand und klemm es möglichst waagerecht zwischen deine Beine, mit dem Buchrücken nach oben.
  3. Schieb das Buch so weit nach oben, wie es noch waagerecht bleibt und gerade nicht mehr unangenehm wird. So simulierst du den Sattel.
  4. Miss nun den Abstand von der Oberkante des Buches senkrecht bis zum Boden.

Dieser Wert ist deine Schrittlänge. Schreib ihn dir am besten gleich auf, denn du brauchst ihn für die folgende Berechnung.

Rahmenhöhe berechnen: die Formeln je Fahrradtyp

Für jeden Fahrradtyp gibt es einen eigenen Faktor, mit dem du deine Schrittlänge multiplizierst. Das Ergebnis ist die passende Rahmenhöhe. Achte darauf, ob das Ergebnis in Zentimetern oder in Zoll angegeben wird, denn vor allem Mountainbike-Rahmen werden oft in Zoll gemessen.

FahrradtypFaktorErgebnisBesonderheit
Rennrad0,665Rahmenhöhe in cm
Triathlonrad0,665Rahmenhöhe in cmdanach noch 3 cm abziehen
Mountainbike0,226Rahmenhöhe in Zoll
Mountainbike0,574Rahmenhöhe in cm
Trekkingrad0,66Rahmenhöhe in cm

Ein Rechenbeispiel: Bei einer Schrittlänge von 84 cm ergibt sich für ein Rennrad eine Rahmenhöhe von 84 × 0,665 = rund 56 cm.

Wichtige Hinweise zur Berechnung

Gefederte Sattelstütze: Hast du ein Fahrrad mit gefederter Sattelstütze im Blick, kannst du von der berechneten Rahmenhöhe noch 5 cm beziehungsweise 2 Zoll abziehen.

  • Wert zwischen zwei Größen: Liegt dein Ergebnis zwischen zwei angebotenen Rahmenhöhen, entscheide dich bei sportlicher, gestreckter Fahrweise für die kleinere und bei bequemer, aufrechter Fahrweise für die größere Rahmenhöhe.
  • Körpergröße als Anhaltspunkt: Die Schrittlänge hängt natürlich mit der Körpergröße zusammen, doch die Unterschiede zwischen einzelnen Menschen können groß sein. Die Körpergröße ist deshalb nur eine grobe Annäherung. Wer es genau wissen will, misst die Schrittlänge.

Die verschiedenen Fahrradrahmen im Überblick

Die Rahmenhöhe ist die eine Hälfte der Geschichte, die Rahmenform die andere. Sie bestimmt, wie du auf dem Rad sitzt, wie leicht du auf- und absteigst und wie stabil sich das Fahrrad anfühlt. Zwei Dinge solltest du auseinanderhalten: die Bauform des Rahmens und das Material, aus dem er besteht.

Die wichtigsten Rahmenformen

  • Diamantrahmen (Herrenrahmen): Die klassische und steifste Bauform mit durchgehendem, waagerechtem Oberrohr. Das geschlossene Dreieck aus Ober-, Sitz- und Unterrohr gibt dem Rahmen seine hohe Stabilität und Kraftübertragung. Standard bei Rennrädern und sportlichen Rädern.
  • Trapezrahmen: Das Oberrohr verläuft leicht abfallend zum Sattel hin. Der Einstieg wird dadurch etwas tiefer, ohne dass viel Steifigkeit verloren geht. Ein guter Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort, je nach Winkel findet man ihn an allen möglichen Rädern. Heute bezeichnet man den Winkel auch als Slop. Trapezrahmen fanden früher eine häufige Verwendung bei Damenrennrädern.
  • Mixte-Rahmen: Zwei dünne, durchgehende Rohre laufen vom Steuerrohr schräg bis zur Hinterachse. Eine elegante, sportlich-zierliche Bauform, die ursprünglich als Damenrad gedacht war und heute bei Liebhabern klassischer Räder wieder geschätzt wird.
  • Tiefeinsteiger (Wave-Rahmen): Das Oberrohr ist stark nach unten gebogen oder fehlt ganz. Der bequeme, niedrige Einstieg macht diese Form ideal für den Alltag, für ältere Menschen und für alle, die ohne großes Bein-Schwingen auf- und absteigen möchten. Ästhetisch verursachen Rädern mit dieser Geometrie bei mir immer einen kleinen Brechreiz.

Die wichtigsten Rahmenwerkstoffe

  • Stahl: Der klassische Werkstoff, vor allem an Vintage-Rädern und hochwertigen Trekking- und Reiserädern. Stahl ist langlebig, reparabel und fährt sich angenehm komfortabel, weil er Stöße gut dämpft. Edle Rohrsätze wie Reynolds 531 oder Columbus SL sind bis heute legendär. Der Nachteil: das höhere Gewicht und die Rostanfälligkeit.
  • Aluminium: Leicht, günstig und rostfrei. Aluminiumrahmen sind steif und sportlich, geben Stöße aber direkter an den Fahrer weiter. Heute der häufigste Werkstoff im mittleren Preisbereich.
  • Carbon: Sehr leicht und gezielt formbar, sodass sich Steifigkeit und Komfort einzeln abstimmen lassen. Carbon dominiert den modernen Rennradsport, ist jedoch teuer und bei Schlägen empfindlicher als Metall.
  • Titan: Leicht, extrem haltbar und rostfrei, mit einem sehr angenehmen Fahrverhalten. Titan vereint viele Vorteile, hat aber seinen Preis und gilt als Werkstoff für ein Rad fürs Leben.

Häufige Fragen zur Rahmenhöhe

Wie berechne ich die richtige Rahmenhöhe für mein Fahrrad?
Miss deine Schrittlänge an der Beininnenseite und multipliziere sie mit dem Faktor deines Fahrradtyps. Für ein Rennrad ist das 0,665, für ein Trekkingrad 0,66 und für ein Mountainbike 0,226 für die Höhe in Zoll oder 0,574 für die Höhe in Zentimetern.

Was ist wichtiger, Körpergröße oder Schrittlänge?
Die Schrittlänge. Sie gibt die tatsächliche Beinlänge wieder und ist für die passende Rahmenhöhe deutlich aussagekräftiger als die Körpergröße, die nur als grober Anhaltspunkt dient.

Welche Rahmenhöhe nehme ich, wenn mein Wert zwischen zwei Größen liegt?
Bei sportlicher Fahrweise wählst du die kleinere, bei bequemer, aufrechter Fahrweise die größere Rahmenhöhe.

Welche Rahmenform passt zu mir?
Für sportliches Fahren der steife Diamantrahmen, für den bequemen Alltag der Tiefeinsteiger und als Kompromiss der Trapezrahmen.

Fazit

Die richtige Rahmenhöhe berechnest du in wenigen Minuten: Schrittlänge messen, mit dem passenden Faktor multiplizieren, fertig. Zusammen mit der richtigen Rahmenform und dem passenden Werkstoff findest du so ein Fahrrad, das zu dir und deiner Fahrweise passt. Und wenn du dich, wie ich, für klassische Stahlräder begeisterst, lohnt sich der genaue Blick auf die Geometrie umso mehr, denn ein gut passender Vintage-Rahmen fährt sich auch nach Jahrzehnten noch wunderbar.


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