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Panasonic Rennrad

1995 Panasonic PR 4000

1918 gründet Konosuke Matsushita die Matsushita Denkikigu Seisakusho (Elektrische Haushaltsgeräte Werke) in Osaka. 1923 entwickelt er die erste Batterie getriebene Fahrradlampe, auf die wir hier in Europa noch viele Jahrzehnte warten sollten.

1951 beginnt Matsuhita mit der Produktion von Fahrrädern unter dem Namen Panasonic Cycle Technology Co. Ltd. und wird Anfang der siebziger Jahre einer der größten Fremdhersteller von Zweirädern für amerikanische Firmen wie Schwinn, Centurion und viele andere.

1972, 1976 und 1980 versorgt Matsushita Panasonic die japanische Nationalmannschaft mit Rennrädern uns sponsort von 1984 – 1992 ein holländisches Profiteam.

Die Liste der professionellen Rennräder von Panasonic ist nicht sehr lang, aber sehr bemerkenswert. Anfang der 80er-Jahre entschied sich Panasonic dazu, Räder unter eigenem Namen zu vermarkten und den Anteil, der für andere Hersteller produzierten Rahmen radikal zu reduzieren. Bis dahin verließen 90% der Produktion die Fabrik in Osaka unter fremden Markennamen. In Asien, den USA und Europa vermarktete Panasonic nun seine High-End Räder unter den Namen „Team- Panasonic“. Wunderschöne, handgelötete Stahlrahmen die sich für die einzelnen Märkte nur in der Ausstattung unterschieden, Suntour in Asien, Shimanos Dura Ace in den USA und in Europa mit Columbus SP Rohrsätzen und Ausfallenden von Campagnolo.
Am Ende dieser Dekade entwickelt Panasonic ein besonderes Vertriebs- und Produktionskonzept. Die Kunden konnten zwischen Handgefertigten und von computergesteuerten Produktionsrobotern gelöteten Rahmen wählen. Es gab für die „digitale“ Version mehr als 35 verschiedene Kombinationen der Lackierungen und jede nur erdenkliche Konfigurationsmöglichkeit für die Ausstattung. 1988 war dieses Angebot seiner Zeit so weit voraus, dass es scheiterte. Too advanced und too teuer ;-). Ende der 80er-Jahre zieht sich Panasonic zuerst aus den USA zurück, bietet eine weiter entwickelte Version des Team Rahmens, den PR 6000, in Europa an und scheitert auch mit der PR-Linnie am Ende des Jahrzehnts. In Europa konzentriert sich das Angebot ab Mitte der 90er-Jahre auf Mountainbikes. Im Katalog von 1995 finden sich noch zwei Rennräder, PR 4000 und 3000. Dann ist Ende der 90er auch in Europa Schluss. Heute bekommt man hier nur noch Motoren für E-Bikes, in Japan sind Fahrräder von Panasonic immer noch am Markt.

Panasonic Katalog 1995
Panasonic Katalog 1995

Das „High-End-Modell“ PR 4000 ist als echtes Budget-Modell mit der fiesen Shimano 105 ausgestattet, das PR 3000 die fade RSX, immerhin beide Versionen mit modernen Bremsschalthebeln und einem Turbo-Sattel von Selle Italia. Schaut man aber genau hin, entdeckt man der Startnummernhalterung und die, in die Sitzstrebe integrierte Schraube für die Sattelstütze, die Details des PR 6000.

Panasonic PR 6000

PR 4000 und PR 3000 sind einfach nur ein umgelableter PR 6000 aus Tange Prestige Rohren und damit ein Geheimtipp für alle, die einen echten japanischen Spitzenrahmen für richtig kleines Geld in schickster, einfarbiger Metalliclackierung fahren wollen. Im Gegensatz zum PR 6000 wird dieses Modell, wenn man es denn findet, für kleines Geld als Aschenputtel gehandelt. Geringe Stückzahl und niedriger Preis führten dazu, dass diese Räder wirklich selten zu finden sind und meist keine gute Behandlung erfahren haben. Teure Räder werden von ihren Erstbesitzern in der Regel besser behandelt und überleben deswegen häufiger als das Budget-Bike.

Das hier vorgestellte 1995er PR 4000 ist ein echter Scheunenfund aus erster Hand, 9,8 Kilo schwer und in einem bemerkenswert guten Zustand. Allerdings hatte der Vorbesitzer einen bequemeren Gel-Sattel (arrgh) und Tiagra-7-fach-Schalthebel nachgerüstet. Diesen Lapsus habe ich mit einem passendem Flite und schicken Dura Ace 9fach Hebeln korrigiert, dazu musst natürlich auch noch eine passende Kassette montiert werden. Das Ergebnis lässt sich sehen und vor allem fahren, die 105 ist so wundebar funktional und häßlich wie alle günstigen Schaltungen aus dieser Zeit. Mein Tipp: Schließe deine Augen und lass es funktionieren.